ebook_Cover.NEUIm zweiten Kriminalfall mit dem etwas heruntergekommen, aber nicht minder schlauen Privatdetektiv wird der Hauptsponsor eines Streichquartettfestivals vermisst. Schmitt wird gleich von drei Personen mit der Suche beauftragt. Dabei findet er einen Toten und schliddert ebenso durch das Rotlichtmilieu wie auch in die gut- und bildungsbürgerliche Gesellschaft seiner Heimatstadt Ostratal, der fiktiven 300.000-Einwohner-Metropole irgendwo in Süddeutschland. Schmitt wird Zeuge eines Mordanschlags, findet eine weitere Leiche und kommt selbst in höchste Gefahr.

Erhältlich ist der Roman in allen örtlichen Buchhandlungen sowie im Internet, zum Beispiel bei www.thalia.de.

BoD- Books on Demand, 300 Seiten, 9,99 Euro
E-Book, 3,99 €
ISBN 978-3-7347-7300-6

 

 

Leseprobe:

Sie waren hinter ihm her. Das war eindeutig. Kein Zweifel. Zwei Typen im Russensmoking, Mitte 20, kurzgeschorene Haare mit einrasierten Mustern, olivfarbene Haut, schwarzer verdreckter 5er-BMW, tiefer gelegt. Seit Tagen tauchten sie immer wieder auf, fuhren langsam durch seine Straße an seinem Haus vorbei, Fußverfolgung auf seinen innerstädtischen Wegen durch die autofreie Zone Ostratals: Büro, Restaurant, Bank, Büro….. Überall bemerkte er die geschmacklosen Adidashosen kombiniert mit unverschnürten Footlocker-Modellen an – wie er bösartig unterstellte – ungewaschenen Füßen. Gesichtsausdruck dreckig wie die Füße. Er hätte doch das große Rad mit dem Geld seiner Geschäftspartner nicht drehen sollen. Es war für ihn in Ordnung gewesen, die Millioneneinnahmen der letzten Jahre aus den Bordellen, den Stripteaseschuppen und dem Mädchenhandel bis Ende 2012 regelmäßig in Zypern bei der Cyprusbank und der Laikabank zu deponieren. Er hatte bei diversen Kurzurlaubsreisen die schwarze Kohle bar im Koffer nach Zypern gebracht.

Und er nutzte die dortige Bankenkrise als einmalige Chance, mehr als eine Million Euro mit der Behauptung abzuzwacken, sie als Schmiergelder zu benötigen. Die seien nötig, um trotz des Einfrierens der Vermögen und der strengen Kapitalverkehrskontrollen im Februar 2013 der drohenden Enteignung zu entgehen. Immerhin sollten zunächst mehr als ein Drittel, dann im Juli 2013 sogar rund die Hälfte der Bankguthaben über 100.000 Euro vom Staate Zypern weggesteuert werden. Schließlich hatte er seinen Geschäftspartnern glaubhaft versichern können, dass sie, statt rund 4 Millionen Euro zu verlieren, nur auf 1,3 Millionen für Bestechungen verzichten mussten. Tatsächlich hatte er mit seinem zypriotischen Kompagnon Kostanopoulos die Gelder schon vorher in Sicherheit gebracht, ihm 100.000 Euro für diese Dienste abgegeben und den Rest umgehend auf die Britischen Jungferninseln weiter überwiesen. Und ihn dann so oft von Bank zu Bank in die weiteren bekannten und –bewährten Steuerparadiese hin- und hergeschoben, dass niemand ihren Weg zurückverfolgen konnte. Die Idee, die Bankenkrise Zyperns zu nutzen, um sich ein gehöriges Stück vom Kuchen abzuschneiden, war für seine Geschäftspartner natürlich nicht akzeptabel . Aber er hingegen fand sie genial. Zumal er die Bestechungen mit entsprechenden Bescheinigungen von Kostanopoulos nachweisen konnte sowie durch ebenso hervorragend gefertigte wie falsche Urkunden. Seine Geschäftspartner aber fanden das trotz der vermeintlichen Rettung von immerhin mehr als 2,7 Millionen Euro offensichtlich dennoch grenzwertig und beobachteten seine Aktivitäten der Geldwäsche und Anlage misstrauischer als bisher. Was ihn dazu bewogen hatte, mit weiteren Hunderttausenden weggeschwindelten Euros seine Zukunft abzusichern, für den Fall, dass es ihm in Ostratal zu heiß wurde. Auch diese Gelder waren mittlerweile in Übersee gebunkert. Und nun war der Zeitpunkt wohl gekommen, seine Zelte abzubrechen. Nur seine Geschäftspartner konnten ihm die beiden Killertypen auf den Hals gehetzt haben.

Von Tag zu Tag, von Stunde zu Stunde, mehr und mehr kroch ihm seitdem die Angst den Nacken hoch. Er kannte seine Pappenheimer nur zu gut. Schließlich war er vom selben Schlag und wusste genau, wozu er fähig war. Für seine Partner spielte es keine Rolle, ob er die Gelder unterschlagen oder in den Sand gesetzt hatte. Gingen sie von einer Unterschlagung aus, drohten ihm zuerst Folter, um Informationen über den Verbleib des Geldes herauszupressen, und dann das Ende. Nahmen sie nur einen Verlust an, würden sie ihm verzeihen  wie letztes Jahr. Das hatte er wenigstens bislang geglaubt. Offensichtlich lag er damit jedoch falsch. Vielleicht gaben sie sich in diesem Fall gnädiger weise mit seinem schnellen Tod zufrieden. So oder so: Ihm war klar, dass er verschwinden musste. Es tat ihm zwar unendlich leid, seine mühsam aufgebaute Fassade bürgerlicher Existenz in Ostratal aufzugeben, seine attraktive Frau, seine Villa, die Freunde aus dem kulturellen Milieu. Das alles im Tausch gegen sein Leben.

Aber er war seit langem auf diesen Tag vorbereitet. Seit dem Aufkommen der Steuer-CDs auch aus Furcht vor staatsanwaltlicher Entdeckung und nicht nur aus Angst vor seinen Kumpanen, aber egal. Er verließ wie jeden Morgen nach einem üppigen Frühstück das Haus, nachdem er sich von seiner Frau verabschiedet hatte, stieg in seine Mercedes-S-Klasse und fuhr in die Randlage der Innenstadt von Ostratal, wo er in einem hypermodernen Bürohochhaus seine Finanzagentur betrieb. Allerdings nahm er heute nicht den Aufzug zu seinem Büro, sondern verließ die Tiefgarage durch einen Seitenausgang, marschierte geradewegs zu seiner Bank und entnahm seinem dortigen Schließfach einiges an Bargeld, die notwendigen Unterlagen für die Auslandskonten, Reisepass und Führerschein, beide echter als echt gefälscht, sowie zwei auf seinen neuen Namen ausgestellte Kreditkarten, bezogen auf ein Schattenkonto bei der Barclays Bank. Anschließend fuhr er mit der Straßenbahn zu einem Autoverleih, mietete sich dort einen unauffälligen VW Passat-Variant und verließ Ostratal ohne jedes Gepäck und zwar im doppelten Wortsinne. Seine Simcard schmiss er in eine Abfalltonne auf dem Parkplatz der Autovermietung. Sein Smartphone hingegen behielt er. Das war neu und ein Geschenk seiner Frau. In einer kleinen Stadt, von der aus er Frankfurt bequem mit der S-Bahn erreichen konnte, nahm er in einem unscheinbaren Gasthof ein Zimmer und legte sich den genaueren Plan für sein zukünftiges Leben zurecht. Geld hatte er genug. Wo er in Zukunft leben würde, war ihm eigentlich egal. Nur zivilisiert musste es sein. Und kultiviert. Schließlich hatte er sich mittlerweile an einen gewissen Standard gewohnt.

Er und verließ das einfache, aber gemütliche Etablissement, um einige Hygieneartikel nebst Kulturbeutel zu besorgen. Morgen würde er mit der Bahn nach Frankfurt fahren, sich dort mit dem Nötigsten an Wäsche und Kleidung eindecken und mit dem nächstmöglichen Flug verschwinden. Erst einmal weg. Am Besten auf Nimmerwiedersehen. So wie er schon einmal vor rund zwanzig Jahren aus den Resten der damaligen Sowjetunion verschwunden war. Als er in sein Zimmer zurückkehrte, befahl ihm ein instinktiver Fluchtreflex, es umgehend wieder zu verlassen. Was aber nicht ging. Die Zimmertür fiel wie von selbst ins Schloss. Mitten im Raum stand ein grinsender Kerl, der ihm irgendwie bekannt vorkam und der eindeutig typengleich mit seinen Verfolgern war. Bevor er irgendwie reagieren, auch nur den geringsten Laut von sich geben konnte, legte sich eine Drahtschlinge um seinen Hals. Das muss der andere Drecksrusse hinter mir sein, dachte er. Er versuchte, mit den Fingern zwischen Schlinge und Hals zu kommen, gab aber schnell wieder auf. Ihm dämmerte, dass er hier in diesem Zimmer, in diesem Kaff sterben würde. Eine Erinnerung schoss ihm durch den Kopf. Eine Erinnerung daran, wie er vor langer Zeit schon einmal auf der Flucht vor solchen Typen gewesen war. Typen wie denen, die ihm jetzt das Leben nahmen. Gawno, dachte er. Scheiße. Dann verlor er das Bewusstsein.

Leseprobe: Die alte Freifrau